FAQ

Wann soll man eine Organisation “Social-Profit-Organisation” nennen können?

Der Begriff Social-Profit ist ein Plädoyer dafür die *Ziele* eines Unternehmens oder einer Organisation zu betrachten. Wessen Oberziel es ist, gesellschaftlich, politisch, ökologisch etwas zu bewegen, der ist eine Social Profit Organisation. Punkt.

Heißt das, eine Social-Profit-Organisation darf Gewinne machen?

Definitiv ja. Wenn ein Sozialunternehmer sagt, dass er für die Erreichung eines Ziels einen Gewinn benötigt, ist das in Ordnung. Der Gewinn ist bei einer SPO das Mittel, nicht das Ziel.

Macht das Zulassen eines Gewinns (“Profit”) nicht die Glaubwürdiggkeit und Identität von spendensammelnden Organisationen zunichte?

Bestimmt nicht! Als Spender möchte ich immer ein Projekt fördern von dem ich denke dass es maximale Wirkung hat. Dabei ist es für meine Herzensentscheidung zunächst nicht wichtig, ob es bei der Organisation einen buchhalterischen Gewinn gibt oder nicht. Wichtig ist, dass der Spender völlige Transparenz erhält, dann kann er auch verstehen, wozu Gewinne nötig sind und wie sie verwendet werden. Gewinn darf kein Entscheidungskriterium gegen eine Organisation sein!

Der fehlende Gewinn (Non-Profit) ist doch das Hauptkriterium zur Differenzierung einer ganzen Branche!

Betriebswirtschaftlich gesehen benötigen alle Organisationen und Unternehmen gleichermaßen Gewinne um solide Wirtschaften und ihre Existenz langfristig sichern zu können. Es ist Zeit auch hier den Menschen reinen Wein einzuschenken. Jeder in der “Branche” weiß doch um die hektische Betriebsamkeit bei gemeinnützigen oder öffentlichen Einrichtungen am Ende des Jahres. Irgendwie “auf 0″ kommen ist da das Ziel. Schnell noch sinnlos Geld ausgeben, Hauptsache kein Gewinn. Die Gewinnfrage ist reiner Formalismus und sagt nichts über die sozialen Ziele einer Organisation aus – und schon gar nicht über ihre Wirkung. Es ist ein Anachronismus, dass “gemeinnützig” genannte Organisationen auch noch für schlechtes und intransparentes Wirtschaften mit einem Sonderstatus belohnt werden. Sie müssten belohnt und bespendet werden gerade *wenn* sie Gewinn machen.

Warum nicht bei den formellen Kriterien der “Gemeinnützigkeit” bleiben?

In der Diskussion sollten formelle, ausschließlich von den Finanzämtern definierte Kriterien wie die des buchhalterischen Gewinns und der “Gemeinnützigkeit” nicht den Blick auf das Wesen einer Organisation verstellen. Als Social-Profit-Organisation dürften die gemeinnützigen Organisationen Gewinn machen, solange dieser der Erreichung des sozialen Zieles zugute kommt.

Wenn nicht mehr der fehlende monetäre Gewinn einen Sonderstatus beim Staat auslösen soll, was dann?

Wenn der jetzt formal gemeinnützige Bereich mit den Sozialunternehmen unter einem neuen Dach verschmelzen würde, sollte das Förderkriterium durch den Staat nicht mehr der buchhalterische Gewinn sein, sondern der Beitrag zum Gemeinwohl. So könnte eine eine Social-Profit-Organisation, die ihr Ziel zum Gemeinwohl beizutragen erfüllt, staatliche Vergünstigungen erhalten, ein Unternehmen das dies nicht tut erhält sie nicht. Unabhängig davon wer von beiden wie viel Gewinn macht.

Monetärer Gewinn lässt sich messen, “sozialer Profit” nicht – wie definieren wir die Standards für den neuen Begriff?

Der Begriff der Social-Profit-Organisation ist nicht geschützt und sollte es auch nicht sein. Jedes Unternehmen könnte sich so nennen. Wenn es nach dieser Diskussion Konsens ist, wofür der Begriff steht, muss sich das Unternehmen/die Organisation allerdings an den Kriterien messen lassen. Dies ist der Schnittpunkt zu anderen, derzeit parallel laufenden Entwicklungen:

  1. Der Impact-Messung von (sozialem) Engagement
  2. Der Messung des Beitrags der Organisation zum Gemeinwohl in Form einer Gemeinwohlbilanz.

Möglicherweise werden die Eckpfeiler der sich hier entwickelnden Standards auch definieren, wer sich künftig legitim “Social-Profit-Organisation” nennen darf.